#1 Wandertipps und Tricks – Weidetiere und Hunde

Zu aller erst möchten wir unser Beileid an die Verwandten der verstorbenen Frau richten. Der tragische Unfalltod einer deutschen Urlauberin im Tiroler Pinistal ist derzeit Gesprächsthema Nr. 1 in den Medien. Wie berichtet wurde, war eine 45-jährige deutsche Wanderin mit Ihrem Hund auf einem Wanderweg im Pinistal unterwegs. Die Frau hielt sich anscheinend im eingezäunten Bereich mit ihrem Hund auf und wurde von 20 Kühen und Kälbern attackiert und schlussendlich tötlich verletzt. Man versuchte sie noch zu reanimieren, allerdings starb die Frau schließlich an ihren schweren inneren Verletzungen. Die Polizei geht davon aus, dass sich die Kühe durch den Hund bedroht fühlten und deswegen angegriffen haben.

Ein wirklich tragischer Unfall, der so vielleicht als Einzelfall gelten mag. Speziell in den Tiroler Bergen gibt es sehr viele freigrasende Kühe mit Kälbern. Gottseidank ist eher selten von solchen Unfällen zu lesen. Vieles geht glimpflich aus oder auch die Wanderer wissen wie man sich in solchen Situationen richtig zu verhalten hat.

Und in diesem Artikel geht es auch darum.

Richtiges Verhalten – Kühe und Hunde

Vorweg, die Landeswirtschaftskammer zieht seine eigenen Konsequenzen aus diesem Vorfall. Man will in einem Runden Tisch, der aus Bauernvertretern, Tierärzten und Experten der Almwirtschaft abgehalten wird, Regeln und Empfehlungen zusammenstellen, um in Zukunft solche Unfälle vermeiden zu können.

Sobald diese Empfehlung vorhanden sind, werden wir euch natürlich darüber informieren. Doch da wir nicht wissen wie lange es dauern wird, bis ev. eine Broschüre produziert wird, möchten wir im Vorfeld schon ein paar Hinweise geben.

Auch wir haben schon derlei Begegnungen mit Kühen hinter uns. Aber auch Pferde und Berg-Ziegen kreuzten schon unsere Wege in den Tiroler Alpen. Uns und den Hunden ist bis dato nichts passiert, aber trotzdem ist es gut zu wissen, wie man sich in den Bergen gegenüber den Weidetieren zu verhalten hat.

Freiländer_Alm_Mutterkuh_und_Kalb

Wie zeigen Rinder, dass sie sich bedroht fühlen?

Meist fixiert die Kuh einen und bleiben zu Beginn ruhig und rührt sich nicht. Durch intensives heben und senken des Kopfes deutet sich dann allerdings schon ein Angriff an. Auch Schnauben und in die Knie gehen sind die ersten Warnzeichen. Bevor eine Kuh richtig zu laufen beginnt, wird sie ein paar Schritte nach vorne gehen und erst dann auf einen zulaufen.

Hier gelten die Mutterkuhherden am gefährlichsten. Sie schützen mit allen Mitteln Ihre Kärlber und schrecken hier vor nichts zurück. So auch wie im Fall der leider verstorbenen 45 jährigen deutschen Wanderin.

Kann ich mich und meinen Hund schützen?

Wenn die Kuh schon auf einen zu rennt und man nicht mehr die Möglichkeit hat sich rechtzeitig hinter einen Zaun in Sicherheit zu bringen, nicht in Panik geraten. Am besten mit einem Wanderstock Drohgebärden machen und den Hund an der Leine loslassen. Meistens ist nicht der Mensch das Ziel der Attacke, sondern der Hund. Und dieser kann sich relativ schnell alleine aus der Gefahrenzone bringen.

Sollte eine Kuhherde mit Kälbern direkt am Weg kampieren, weicht man mit seinem Hund großzügig aus. Am besten oben herum, da im abschüssigen Gelände eine Kuh sehr schnell an Geschwindigkeit gewinnt, sollte sie sich entschließen anzugreifen. Auch Umkehren sollte immer in Betracht gezogen werden.

Speziell wenn die Kühe Anzeichen von Aggression zeigen (lautes Schnauben, heben und senken des Kopfes). Die Wanderung kann hier dann nicht mehr so wichtig sein, wie sein eigenes Leben oder dass des Hundes.

Das Füttern von Weidetieren sollte man generell vermeiden. So werden die Tiere nur sinnlos angelockt und belästigen Wanderer die sich ev. vor solchen großen Tieren fürchten. Freilaufende Hunde sind bei Begegnungen mit Kühen immer anzuleinen und der Hund sollte der Herde auf keinen Fall zu nahe kommen.

180.000 Kühe in den Tiroler Bergen

Leider schützen auch diese Tipps nicht 100%ig vor einem Angriff einer Kuh. Durch richtiges Verhalten, können aber in Zukunft vielleicht solche Unfälle vermieden werden. Solche tragischen Zwischenfälle bleiben aber weiterhin Einzelfälle. 180.000 Kühe gibt es in den Tiroler Bergen und die meisten Begegnungen gehen Gut aus.

Habt ihr schon solche Begegnungen mit Kühen in Tirol gehabt oder beim Wandern? Wie seid ihr aus der Situation gekommen? Für weitere Hinweise sind wir immer dankbar.

 

Bildquelle: Wikimedia Commons

Julia

Author: Julia

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3 Kommentare

  1. Eine sehr tragische Geschichte … ich finde es gut, dass Ihr diese Thematik aufgegriffen habt!
    Viele Grüße
    Martina

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  2. Wir sind bisher noch nie, heuer aber schon 2 Mal von Kühen angegriffen worden, ein Mal davon knapp davongekommen, beim zweiten Mal hatten wir mehr Vorsprung. Blöderweise waren bei beiden Malen die Kühe im Wald, wo wir sie vorher nicht gesehen hatten (und hören tut man sie momentan immer und überall, das heißt noch nichts). Aber ohne Sprint hätte ich beide Male nicht gewusst, was tun, die Vorstellung, sich einer schnaubenden, dahergeloppierenden Kuh in den Weg zu stellen, hatte ich immer als schlechtere Variante empfunden. Den Hund zu ‚opfern‘ nutzt natürlich nur etwas, wenn er woanders hinläuft. Unseren Hund kann ich außerdem leider aus diversen anderen Gründen sowieso nicht von der Leine lassen, kommt auch gar nicht in Frage. Hatte aber Glück, abgesehen von einem Kapselriss bei meinem Mann und ein paar Schürfwunden ist nichts passiert. Trotzdem würde ich ehrlich gesagt lieber Wege wählen, die keine Weidetiere (ohne Zaun) queren, aber das ist – außerhalb von Städten – eigentlich nicht möglich.

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    • Julia Fuchs

      Hi Sarah, Gottseidank ist euch nicht „mehr“ passiert. Selbst das Erlebnis an sich, ist sehr ungut. Ich glaube, ich würde mich der Kuh auch nicht in den Weg stellen. :-(
      Wir hatten schon mehrere Begegnungen mit Kühen, sogar mit Pferden und Ziegen. Und bis auf die etwas „lästigeren“ Ziegen, hatten wir selbst mit zwei Hunden nie ein Problem. Darüber bin ich sehr froh…

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